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Runter von den Bewertungsportalen“:

Juristisches Harakiri oder kühl kalkuliert?

Peter Hense, Spirit Legal LLP

·        „Ein Hotel sollte die unternehmerische Freiheit besitzen, zu entscheiden, ob es auf einem Portal gelistet sein möchte oder nicht“, sagt Constantin Rehberg, Chief Digital Officer einer Budget-Design-Hotelkette.

·        Die aufkommende Kritik an Bewertungsportalen erwächst nicht aus deren Grundfunktion, Bewertungen von Gästen zu sammeln und zu informieren.

·        Stein des Anstoßes aus Sicht von Hoteldistribution und Marketing ist etwas anderes. Bewertungsportale nutzen Namen und Marken von Hotels, um sich in Suchmaschinen bei der Anzeigenwerbung und in der organischen Suche vor die Hotels zu schieben, jagen ihnen so Direktbuchungen ab und knüpfen so den begehrten direkten Kontakt zum Gast.

·        Dieses Konfliktfeld ist nicht neu, klassische Vermittlungsportale arbeiten erfolgreich mit dieser Taktik zu Lasten des Hoteldirektvertriebs. Und da Bewertungsportale Hotels an Gäste vermitteln und Gäste auf Vermittlungsportalen Hotels bewerten, kann man heute keine klare Trennlinie zwischen den einst unterschiedlichen Portalen ziehen.

·        Wer sich heute Auszeichnungen für Top-Bewertungen auf der Website einbindet und stolz entsprechende Medaillen in der Lobby des eigenen Hauses anbringt, muss sich zu Recht fragen lassen, was diese Werbung für den direkten Wettbewerber bringt, außer den eigenen Direktvertrieb zu marginalisieren.

·        Rechtlich ist die Ausgangslage für Hotels nicht schlecht: Als Hotelier kann man sich zwar nicht einfach so auslisten lassen, denn wer wirtschaftlich tätig ist, muss sich auch Kritik in Form von Bewertungen gefallen lassen. Portale müssen sich jedoch an geltendes Marken- und Wettbewerbsrecht halten. Der Bundesgerichtshof entschied im Jahr 2018, dass es unzulässig ist, wenn ein Bewertungsportal auf dem Firmenprofil auch Werbung für dessen Konkurrenz schaltet. Ein Jahr zuvor entschied das Gericht, dass Portale deutlich klarstellen müssen, wenn sie Vermittlungsprovisionen erhalten und dadurch nicht mehr unabhängig sind. Auch durch Zuzahlung manipulierte Rankings sind zwar verbreitet, aber auch seit jeher rechtswidrig. Schon früher entschieden Gerichte, dass die Verwendung von Hotelmarken und Namen in Anzeigen oder in Metatags von Websites durch Portale unterbunden werden kann.

·        Vor einigen Jahren hatte der Dauerstreit von A&O und HolidayCheck dann dazu geführt, dass HolidayCheck A&O tatsächlich ausgelistet hat.

·        Es ist also rechtlich mitnichten eine verrückte Idee, sich „auslisten“ zu lassen. Der Weg dahin ist jedoch auch kein leichter und kann durch rechtskonformes Handeln der Bewertungsportale vermieden werden.

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